Unsere Arbeit nach dem Erdbeben

Über das unfassbare, aber zu erwartende Erdbeben ist schon viel geschrieben worden, ich reihe mich da nicht mehr ein.

Ich habe gerade ( 30.04.2015, 13 Uhr) mit Krishna telefoniert. Es gibt immer noch drei bis vier Nachbeben täglich bis zur Stärke 4 auf der Richterskala.  In Krishnas Viertel gibt es wenige Schäden an den Häusern, in seinem Haus sind lediglich einige Fensterscheiben gesprungen. Es sind eben Häuser, die von Wohlhabenderen mit Eisen und ausreichend Zement gebaut wurden. Die übliche Bauweise, die ausschließlich mit Ziegeln arbeitet, wird der Erdbebengefährdung in Nepal nicht gerecht.

 

Die großen NGOs fahren ihre Hilfsmaschinerie an, die aber wohl noch nicht so richtig in Gang kommt. Es würde alles noch sehr chaotisch aussehen, berichtete Krishna, aber den Bedürftigen werde geholfen.

 

Renu,  eine junge engagiert Frau aus dem Vorstand von Nepal Help, versucht privat eine medizinische Hilfe zu organisieren.  So haben sie und unser Gastarzt  Marko Schünemann aus Köln Medikamente gekauft und versuchen heute im stark betroffenen Bhaktapur zu helfen. Marko hat darüber hinaus eine Jeep Ladung Lebensmittel in Kathmandu gekauft, um diese in entlegene, zerstörte  Dörfer zu schicken und sie dort verteilen zu lassen.

Marko müsste morgen wieder nach Deutschland zurück fliegen.

 

Die Schulen bleiben für 14 Tage geschlossen. Unser ehemaliger Assistent Yamlal, der im Herbst mit der Ausbildung zum Medical Assistant beginnen möchte, floh zwischenzeitlich aus Kathmandu nach Butwal,  kommt morgenjedoch zurück, da der Vorbereitungskurs zur Eingangsprüfung am Sonntag beginnen soll. Krishna meint, dass in etwa einer Woche ein halbwegs normaler Alltag eintreten wird. Was sollen die Menschen auch sonst tun? Sie müssen arbeiten, Geld verdienen um überleben zu können. Das Trauern und Beweinen der toten Angehörigen gehört zwar dazu, kann aber nicht den Stellenwert einnehmen, den er unter normalen Umständen hat.

 

In Banjhakateri geht das Leben seinen normalen Gang. Das Erdbeben hat unsere Region verschont. Das soll uns ein Zeichen sein, so weiter zu machen, wie wir es geplant hatten. Im Moment wird ein Teil der Außenmauer erneuert. Sie war nach einem heftigen Regen abgerutscht, da das Fundament minderwertig war.

Ich habe Ganga angewiesen den Gemüseanbau zu intensivieren. Es ist zu erwarten, bzw. schon dazu gekommen, dass viele Menschen aus BKT, die in Kathmandu lebten, ins Dorf zurück kommen.  Vielleicht kommt es zu einer Verknappung der Lebensmittel. Da die heimkehrenden Menschen alles verloren haben, haben sie sicher kein Geld um sich Essen zu kaufen. Darauf sollten wir uns vorbereiten.

 

Das ist auch unsere Strategie für die kommende Zeit. Brepal bleibt in BKT und Umgebung mit seinen Hilfsaktionen. Wir haben das mit den Vereinsmitgliedern und Förderern ausgiebig diskutiert. Wir wollen die Notlagen, die mit dem Erdbeben verbunden sind, annehmen und versuchen zu helfen. Wenn wir dazu zusätzliches Geld benötigen, wird sich das schon auftreiben lassen. Auf den Spendenzug  jetzt aufzusteigen, wäre unredlich und auch schlecht zu vermitteln.

 

Das Patientenaufkommen nach unserer Eröffnung ist enorm. Carola Kubucki war als Gynäkologin die erste deutsche Ärztin, die zur Ausbildung von Bishnu und Laxmi nach BKT kam. In 10 Tagen sahen sie mehr als 500 Frauen. Laxmi ist jetzt in der Lage Pessare bei Frauen mit einer Gebärmuttersenkung  zu legen, Bishnu kann wesentliche Dinge in der Ultraschalldiagnostik von Schwangeren erkennnen.

 

Als der Internist Marko Schünemann kam, riss der Patientenstrom nicht ab. Auch nach seiner Abreise hat Bishnu viel Arbeit. In der Woche vor dem Erdbeben sah er 340 Patienten. Das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit in Banjhakateri ist. Auch aus den umliegenden Bezirken kommen die Menschen, da sie bei uns qualitativ hervorragend und liebevoll behandelt werden. So muss es in dieser für Nepal schweren  Zeit weiter gehen. Wir haben uns eine Aufgabe gestellt, die es immer wieder neu zu überdenken gilt, die immer neue Herausforderungen stellt, aber letztendlich wollen und können wir Menschen helfen, die es verdient haben und die für ihr Leid wenig können.

 

Im Gespräch mit Johanna Hummel und Michael Kruckenberg haben wir beschlossen das Kaffeprojekt zu intensivieren. Etwa 20% der Kaffeepflanzen hatten einen Pilz und sind abgestorben, diese werden den Bauern kostenlos ersetzt. Mit Hilfe von Experten wird eine eigene Kaffeezucht aufgebaut, es erfolgen neue Trainings, da weitere Bauern motiviert sind mit dem Kaffeeanbau zu beginnen.

 

Zwei Geschwisterkinder mit einer Glasknochenkrankheit und schlimmen Deformitäten nach Brüchen beginnen den Unterricht in einem Internat in Thamgas.  Die Finanzierung hat eine ärztliche Kollegin aus Deutschland übernommen. So können die Kinder in Zukunft den Kopf zum Arbeiten gebrauchen, da ihr Körper wenig belastbar ist.

 

Wie man sieht, Brepal ist an der Seite der Bedürftigen und wird es bleiben.

 

Namaste

Klaus Eckert  

 

 

Kommentare: 1
  • #1

    Dr.Klaus Berding (Dienstag, 05 Mai 2015 11:15)

    Wir von der Praxis Bremertor sind froh dass alle unbeschadet vom Erdbeben geblieben sind